WIE sind wir täglich unterwegs?
Serie "Österreich unterwegs, Teil 2"

In einer siebenteiligen Serie beleuchten wir das Mobilitätsverhalten der ÖsterreicherInnen.
Wie sind wir unterwegs? Und was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert?
Die vierköpfige Familie Flink begleitet uns durch diese Serie.
 

Illustration: Daniela Waser / www.oteloegen.at

Für Lisa Flink beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie ist jetzt Studentin. Wie sich Städte entwickeln, wie und wo sie wachsen, wie das Lebensumfeld sich im Laufe der Zeit wandelt und wie neue Technologien diese Entwicklung beeinflussen. Das hat sie schon in der Schule interessiert. Die Studienwahl fiel ihr da nicht schwer. Sie entschied sich Verkehr und Umwelt an einer Fachhochschule zu studieren.

Die Aufgabenstellung ihrer ersten Gruppenübung klingt einfach: Stimmt die Aussage „Die ÖsterreicherInnen werden immer mobiler?

Im Dreier-Team müssen sie dieser Frage nachgehen. Grundsätzlich haben sie in der Vorlesung gelernt, dass pro durchschnittlichem Wochentag eine Person 2,6 Wege außer Haus verbringt und dieser Wert seit Jahrzehnten nahezu konstant ist. Lisa beginnt zu recherchieren. „Wenn die ÖsterreicherInnen aber mobiler sind, dann müssten Sie ja länger unterwegs sein“, fragt sie sich und findet im 20-Jahre-Vergleich gleich drei unterschiedliche Ergebnisse:

1. Nein, die Tageswegdauer blieb weitgehend gleich. Wir sind rund 85 Minuten pro Tag unterwegs.
   - siehe Grafik Weglänge und Wegdauer I
2. Ja, die Länge aller zurückgelegten Wege pro Tag ist um + 16 % gestiegen. Das ist sehr viel.
   - siehe Grafik Weglänge und Wegdauer II
3. Ja, die Gesamtverkehrsleistung in Österreich hat um + 33 % zugenommen – unter anderem zurückzuführen auf den Bevölkerungsanstieg von rund 8% und um die + 16% längeren Wegen. Auch dieser Wert ist sehr hoch und erstaunlich.

Unsere Reisezeit blieb also gleich,
aber wir legen deutlich längere Wege zurück

notiert sie abschließend.

Ihre Kollegin Joana nutzt die Arbeit, um gleich zu sehen, ob ihr persönliches Mobilitätsverhalten, sich auch in Zahlen und Daten ablesen lässt. Sie ist gerade nach Wien gezogen, um hier zu studieren. Sie schaut sich an, ob es einen Unterschied zwischen Wegezweck und Regionen gibt - siehe Grafik Weglänge und Wegdauer nach Raumtypen.

Ihr Ergebnis: Die Wegezwecke
variieren österreichweit kaum
.

Wege des alltäglichen Bedarfs wie in die Arbeit und Geschäftliches, Schule, Bringen und Holen, Einkaufen, Erledigungen (Arztbesuch und Behördenweg), Freizeit und Besuche sind österreichweit in ländlichen über städtische bis hin zu großstädtischen Raumstrukturen nahezu gleich. Darüber hinaus kann sie erkennen, dass die Wienerinnen und Wiener öfters einkaufen gehen als sonstige Personen.

Wir ÖsterreicherInnen haben ähnliche Wege, egal, ob wir städtisch oder peripher wohnen, brauchen weitgehend die selbe Zeit dazu, nur die Weglängen sind in ländllichen Strukturen deutlich länger. Damit steigt der Bedarf nach motorisiertem Individualverkehr im ländlichen Raum, Rad und zu Fuß gehen werden unattraktiver. Öffentlicher Verkehr dünnt in ländlichen Räumen vor allem an Wochenenden aus, denn er ist schwer finanzierbar. All das hat sie auch schon in ähnlicher Form in der Vorlesung gehört und findet das in den Statistiken der Erhebung bestätigt.

Der Dritte im Bund, Florian, analysiert noch den Unterschied innerhalb einer Woche - siehe Grafik Verkehrsaufkommen nach Wochentagen.

Zu seiner Verwunderung fällt der Unterschied zwischen Werktagen (Montag bis Freitag) und dem Wochenende weniger deutlich aus als erwartet.

Die wesentlichen Unterschiede sind einerseits im Öffi-Verkehr zu finden, der am Wochenende aufgrund des geringeren Angebots stark zurück geht, andererseits steigt der Anteil der MIV-Mitfahrer deutlich an. "Ja", denkt er sich, "das ist logisch". Früher habe ich am Wochenende viele Ausflüge mit der Familie gemacht, jetzt, als Student, unternehme ich etwas mit meinen Freunden. Meistens sind wir am Wochenende gemeinsam unterwegs und oft fahren wir auch gemeinsam im Auto irgendwohin." Das erklärt auch, warum der Anteil der Autofahrer (bzw. jener aller MIV-Lenker) sinkt.

"Wer unter der Woche gerne mit Rad oder zu Fuß unterwegs ist,
der tut das auch am Wochenende
"

analysiert er weiter. Er findet es nicht überraschend, dass der Radverkehrsanteil an Sonntagen geringfügig steigt. "Das sind vielleicht eher die Radausflüge, als dringend notwendige Wege", denkt er sich abschließend. Genug Fakten, jetzt geht es an die Präsentation. Lisa, Joana und Florian erstellen noch ein paar Grafiken und los geht es.

Wussten Sie, dass…

... die mittlere Tageswegdauer in ganz Österreich fast ident ist und bei 82 bzw. 83 Minuten pro Tag liegt? Nur Wien liegt mit 95 Minuten deutlich darüber, wobei zu beachten ist, dass in Wien die Anzahl der Wege pro mobiler Person und der Außer-Haus-Anteil jene Werte von Restösterreich aufweist. 

... sich die mittlere Tagesweglänge deutlich unterscheidet? Je ländlicher, desto weiter sind die Wege. Während in Wien und den anderen Großstädten die Werte bei 33 bzw. 35 km/Tag liegen, steigen sie in zentralen Bezirken auf 43 bzw. in peripheren Bezirken auf 50 km/Tag.

... sich die mittleren Tagesweglängen in den letzten zwanzig Jahren um 16 % erhöht haben. Stichwort: Einkaufszentren auf der Grünen Wiese, locker bebaute Siedlungen mit Einfamilienhäusern, großflächige Betriebsgebiete in Stadtrandlagen, die eine Öffi-Erschließung aufgrund der hohen Kosten erschweren und die Fuß- und Radwege verlängern und damit unattraktiver machen.

... die Wegezwecke sich innerhalb österreichs in unterschiedlichen Regionen, je nach Bebauungsdichte, wenig unterscheiden.

... das Verkehrsaufkommen (Modal Split) nach Wochentagen unterscheidet sich folgender Maßen: am Wochenende ist das Angebot an ÖV-Leistungen verringert, das speigelt sich in den Daten wieder (ÖV-Anteil sinkt von 17 auf 9%). Gleichzeitig steigt der Besetzungsgrad bzw. der Anteil der MIV-Mitfahrer (MIV-Mitfaherer steigen von 12 auf 23% an Samstagen und 27% an Sonntagen). Der Anteil der MIV-Lenker nimmt von 47% auf 44% an Samstagen bzw.38% an Sonntagen ab. Das Zu-Fuß-Gehen (18%) und das Radfahren (7%) ist weitgehend konstant.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer entgeltlichen Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit).

Interesse an der Serie?

Hier geht es zu Teil 1 der Serie: Wie sich die Zeiten doch ändern!

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Österreich unterwegs

Die österreichweite Mobilitätserhebung "Österreich unterwegs 2013/2014" ist die erste dieser Art seit 20 Jahren. 

Ziel der Serie

In sieben Teilen streichen wir die zentralen Aspekte der Mobilitätserhebung heraus.

Ziel ist es, dass Verantwortliche in Gemeinden, Städten und Regionen ihre Entscheidungen im Mobilitätsbereich auf Basis von soliden Daten treffen können.

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