Radfahren ist immer attraktiv, bei Sonnenschein und warmen Wetter ganz besonders!

In einer siebenteiligen Serie beleuchten wir das Mobilitätsverhalten der ÖsterreicherInnen. Wie sind wir unterwegs? Und was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert? Die vierköpfige Familie Flink begleitet uns durch diese Serie.   

Illustration: Daniela Waser / www.oteloegen.at

Lisa hat sich mittlerweile eingelebt. Sie wohnt jetzt in einer Wohngemeinschaft am Campus der Fachhochschule. Das erste Semester stand ganz im Zeichen des Kennenlernens. Und der Selbstständigkeit. Erstmals in ihrem Leben muss sie ganz für sich selbst sorgen. Auf dem Campus fiel das nicht allzu schwer. Essen ist, dank Mensa, kein Problem. Auch über Fortgehmöglichkeiten kann sie sich nicht beschweren. Ganz im Gegenteil.

Ihr neues Leben besteht aber natürlich nicht nur aus Studieren, Essen und Fortgehen. Kleine und größere Besorgungen für den Alltag stehen mittlerweile auch immer öfter auf dem Programm. Und dann heißt es raus aus dem Campus und rein in die Großstadt. Nur wie? In den ersten Monaten nutzte Lisa hauptsächlich die Öffentlichen Verkehrsmittel und die eigenen Füße. Seit wenigen Wochen wird an diesen Grundfesten aber stark gerüttelt.

Schneller ins Lieblingskaffee

Schuld daran ist ihr neuer Freund Bert. Er liebt die Unabhängigkeit auf seinem Fahrrad. Für ihn ist Radfahren ein „Lebensgefühl“ – ein ansteckendes, wie man an Lisa schnell erkennen kann. Auch sie hat sich am monatlichen Radflohmarkt im Grätzel ein gebrauchtes Rad zugelegt und entdeckt ihre Umgebung jetzt aus einer ganz anderen Perspektive. Die Großstadt kommt ihr plötzlich gar nicht mehr so groß vor. Innerhalb von nur 15 Radminuten liegt so ziemlich alles, was sie braucht: ihr Lieblingskaffee, ihr Lebensmittelmarkt und auch ihr Fitnessstudio (siehe Graphik Erreichbarkeit bei unterschiedlichen Modi, fast 3 km ist ihr Radius mit dem Rad; mit dem E-Bike wären es sogar über 4 km). Das beste am neuen „Rad“weg zum Fitnessstudio: sie ist doppelt schneller, da sie sich auch gleich das Aufwärmen spart.

Mit dem Sonnenschein kommen die RadlerInnen

Während sie zu Hause selten im Winter mit dem Rad fuhr, ist sie jetzt auch bei kälteren Temperaturen unterwegs. Was aber blieb: je wärmer, desto lieber fährt sie Rad. Sie merkt auch, dass die Hauptradwege bei wärmeren Wetter deutlich stärker frequentiert sind. Damit liegt sie im Österreich-Schnitt (siehe Graphik Modal Split nach Temperaturklassen). Am liebsten fährt sie bei Sonnenschein. Auch da liegt sie im Österreich-Trend. Je mehr Sonnenstunden pro Tag, desto höher ist der Radanteil (siehe Graphik Radverkehrsanteil nach Sonnenschein und Jahreszeit – überraschend dabei, auch im Winter lassen sich viele durch längere Sonnenstunden zum Umsteigen aufs Rad motivieren, insbesondere, wenn es den ganzen Tag sonnig ist).

Generell ist das mögliche Umsteigepotential für kurze Strecken, also jene unter 10 km, sehr hoch. Ihr Freund hat ihr erzählt, dass unglaubliche  440.000 t CO2/Jahr eingespart werden könnten, wenn jede und jeder 67 Mal im Jahr öfter mit dem Fahrrad unterwegs ist. Für Lisa ist klar, das schafft sie locker, denn sie liebt das Gefühl der Freiheit, wenn der Wind durch ihre Haare weht (siehe Graphik Theoretisches Verlagerungspotential vom MIV zum Rad).

In diesem Semester steht bei Lisa übrigens ein zusätzlicher Weiterbildungs-Workshop auf dem Programm. Sie nimmt an einem Patschenpickkurs teil. Sicher ist sicher.

Wussten Sie, dass...

...bei der Standortwahl für einen neuen Bürostandort als auch für einen neuen Wohnstandort ist die Frage der Erreichbarkeit essenziell. Welche Versorgungseinrichtungen wie Lebensmittelgeschäft, Drogeriemarkt, Bäcker, Postpartner, Bankfiliale, Sporteinrichtungen, Schulen/Ausbildungsstätten oder Anschluss an den (hochrangigen) Öffentlichen Verkehr usw. erreicht man in 5 bis 15 Minuten? Diese Entfernungen sind  wesentlich bei der Bewertung eines Standortes als eben gut oder weniger gut. Ist man "nur" zu Fuß unterwegs, ist dieser Radius klein (bei 15 Minuten 1,1 km), fährt man aber mit dem Fahrrad oder sogar E-Bike, so vergrößert sich der Radius entscheidend. In 15 Minuten erreicht man Ziele im Umkreis von 2,9 bzw. 4,3 km - siehe Grafik Erreichbarkeit bei unterschiedlichen Modi. Ist man in städtischen Bereichen unterwegs liegt in den meisten Städten die gesamte Innenstadt (historische Altstadt) innerhalb dieser Radien.

...Je wärmer es ist, desto mehr RadfahrerInnen gibt es. Auch bei kaltem Wetter gibt es eine kleineren Anteil von RadfahrerInnen, der weiterradelt. Interessant ist der Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln: bei sehr warmen Wetter (über 20 Grad Celsius) wird der Anteil der MIV-NutzerInnen deutlich geringer. Neben dem Radverkehrsanteil steigt auch der Anteil der FußgängerInnen und Öffi-BenutzerInnen. Ein ähnliches Phänomen tritt bei sehr kaltem Wetter ein (unter 5 Grad Celsius), der Anteil der zu FußgeherInne und Öffi-BenutzerInnen steigt, jener der mIV-LenkerInnen sinkt leicht. Spannend ist auch Verknüpfung des durchschnittlichen Anteils der Tage der jeweiligen Temperaturklassen pro Jahr mit der Verkehrsleistung pro jeweiliger Temperaturklasse. Die höchste Verkehrsleistung erfolgt bei mäßig warmen Wetter zwischen 15 und 20 Grad Celsius - siehe Grafik Modal Split nach Temperaturklassen

...der Modal Split (Radverkehrsanteil) nach Sonnenscheindauer und Jahreszeit zeigt deutlich, je länger die Sonne scheint, desto mehr RadfahrerInnen gibt es. Dieser Entwicklung ist zu allen Jahreszeiten ähnlich, geht nur im Winter von einem niedrigeren Niveau aus und im Sommer von einem höheren als zu den gemäßigten Jahreszeiten. Ist es im Winter besonders lang sonnig, so steigt der Radverkehrsanteil stark an und erreicht Werte über jenen der anderen Jahreszeiten - siehe Grafik Radverkehrsanteil nach Sonnenscheindauer und Jahreszeit

...gerade bei kurzen Wegen (bis zu 15 Minuten bzw. bis zu rund 3 km Entfernung) verfügt das Fahrrad über ein großes Potential den vorhandenen Modal Split in Richtung nachhaltige Mobilität zu ändern. Die eben erschienene Klima- und Energiestrategie trägt dem Rechnung - der vorhandene Modal Split beim Radverkehr soll von 6 auf 13 Prozent erhöht werden.

...als theoretisches Beispiel wurde errechnet, wie sich eine Verlagerung eines Teils der kurzen Wegen innerhalb von zehn Kilometern vom motorisierten Individualverkehr hin zum Radfahren auf die CO2-Emissionen positiv verändern würde. Bei ganz kurzen Wegen wurde eine hohe Verlagerung angenommen, bei etwas längeren wurde dieses reduziert. Durchschnittlich würde das bedeuten, dass jede und jeder 67 zusätzliche Radwege pro Jahr unternimmt. Das Ergebnis wäre erstaunlich: bis zu 440.000 t CO2/Jahr könnten dadurch reduziert werden. Der Radverkehrsanteil würde von 6 auf 13 % steigen, wärend der MIV-Anteil sich von 45 % auf 38 % reduzieren würde - siehe Grafik Mögliche Verlagerungspotentiale vom mIV zum Rad.

Detailinformationen zu "Österreich unterwegs ...mit dem Fahrrad" können hier auch in der Begleitstudie zu "Österreich unterwegs" selbst abgerufen werden. 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer entgeltlichen Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit).

Interesse an der Serie?

Hier geht es zu Teil 1: Wie sich die Zeiten doch ändern!
Hier geht es zu Teil 2: Wie sind wir täglich unterwegs!
Hier geht es zu Teil 3: Wie unterscheidet sich das Mobilitätsverhalten der urbanen zur ländlichen Bevölkerung?
Hier geht es zu Teil 4: Wie sich der Schulweg geändert hat?

Anmeldung für den KlimaNews-Newsletter

E-Mail:

Schutz personenbezogener Daten
Klimabündnis Österreich achtet die Privatsphäre der NutzerInnen. Alle Angaben werden entsprechend den geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich behandelt. Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Klimabündnis Österreich sammelt personenbezogene Daten nur, soweit es für einen bestimmten Zweck erforderlich ist. Die Angaben werden nicht für einen damit unvereinbaren Zweck weiterverwendet.
 

Österreich unterwegs

Die österreichweite Mobilitätserhebung "Österreich unterwegs 2013/2014" ist die erste dieser Art seit 20 Jahren. 

Ziel der Serie

In sieben Teilen streichen wir die zentralen Aspekte der Mobilitätserhebung heraus.

Ziel ist es, dass Verantwortliche in Gemeinden, Städten und Regionen ihre Entscheidungen im Mobilitätsbereich auf Basis von soliden Daten treffen können.

nach oben

X