Europas steiler Weg zur CO2-Neutralität

Im September hat die EU-Kommission unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, den Schadstoffausstoß in der EU bis 2030 – statt um die ursprünglich geplanten 40 Prozent – um mindestens 55 Prozent reduzieren zu wollen. Dies wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur CO2-Neutralität Europas bis zum Jahr 2050.

Foto: unsplash.com/Becca Lavin

Die Analyse verschiedener Politikbereiche zeigt nämlich, dass die jetzigen Maßnahmen unzureichend sind und nur zu einer Verringerung von etwa 60 Prozent bis zum Jahr 2050 führen würden – weit entfernt von der geplanten CO2-Neutralität. Bleiben wir weiterhin auf dem aktuellen Pfad, müssten wir nach 2030 noch drastischere Einsparungen als geplant umsetzen. Diese wären kaum mehr zu stemmen. Laut Kommission braucht es eine schärfere Zielsetzung in allen Sektoren um die CO2-Neutralität zu erreichen.

Ein Fokus liegt laut EU auf dem Energiesektor, da dieser für rund 75 Prozent der Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich ist. Speziell der End- und Primärenergieverbrauch muss stark zurückgehen. Während beim Primärenergiebedarf von einem Rückgang zwischen 39 und 41 Prozent ausgegangen wird, muss der Endenergieverbrauch zwischen 36 und 37 Prozent reduziert werden. Zusätzlich braucht es aber auch Maßnahmen in den Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Abfallwirtschaft.

Was bedeuten die schärferen Zielsetzungen für Betriebe?

Als wirksames Instrument zur Senkung der Treibhausgasemissionen sieht die EU den Emissionshandel. Ein stabiler CO2 -Preis schafft Anreize für Betriebe auf CO2-arme Technologien umzusteigen und Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Bisher waren CO2 –Zertifikate jedoch viel zu billig und in einer zu großen Menge vorhanden. Um die angestrebte Wirkung zu erzielen, müssten die Zertifikate teurer werden.

Auch eine CO2-Steuer wird immer wieder diskutiert: Eine gut entworfene Steuerreform (z.B. Energiebesteuerungsrichtlinien) könnte nicht nur einen Beitrag zur Treibhausgasreduktion leisten, sondern gleichzeitig das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Steuereinnahmen müssen dafür zu gleichen Teilen an Unternehmen und BürgerInnen zurückgehen. Nach dem Motto „treffe ich klimafreundliche Entscheidungen, bekomme ich am Ende mehr Geld als mich die Steuer kostet“. Ein gutes Beispiel dafür ist das Schweizer Modell, bei dem zwei Drittel der Steuern zurück an die Bevölkerung gehen und ein Drittel für die Förderungen energetischer Gebäudesanierungen verwendet wird.

Sowohl in Sachen Emissionshandel als auch bei einer CO2- Steuer wird sich die EU noch einiges überlegen müssen. Und auch andere Maßnahmen sind notwendig, denn keine einzelne Maßnahme kann das angestrebte Ziel alleine erreichen. Weitere konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet die Kommission in den nächsten Monaten und möchte diese im Juni 2021 vorstellen.

Fazit: Es ist möglich!

Die EU hat sich mit dem Plan bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Nach neuesten Berechnungen können wir die CO2-Neutralität gemeinsam erreichen ohne Einbußen zu erleben. Im Gegenteil: Verfolgen wir unsere Klimaziele konsequent, würde sich das positiv auf die Gesundheit und den Wohlstand aller BürgerInnen Europas auswirken.

Die Förderung eines gerechten Übergangs und die Schaffung zusätzlicher Investitionen wird sicherlich nicht einfach, doch speziell vor dem Hintergrund der Erholung von COVID-19 sind Investitionen mit Langzeitwirkung auch für Betriebe essentiell. Nicht zuletzt um die stark gerüttelte EU-Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Kommentar von Martin Stolz, Berater für Klimabündnis-Betriebe

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