Der Bio-Pionier aus Völs

Erwin Seidemann ist langjähriger und passionierter Bio-Gärtner. Sein Betrieb in Völs-Kematen ist die erste vollzertifizierte Bio-Blumen-Gärtnerei Österreichs. Er selbst gilt als Pionier auf dem Gebiet. Wie es dazu kam und was ihn immer noch antreibt, erzählt er im Interview.

Erwin Seidemann von der Bio-Gärtnerei Seidemann
Foto: Bettina Dahl

Die Gärtnerei Seidemann war die erste zertifizierte Bio-Blumengärtnerei. Sie werden deshalb oft als Pionier auf dem Gebiet bezeichnet. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe mich selbst nie so gesehen und war deshalb eher überrascht, als die ersten Einladungen kamen, um mein Konzept in anderen Betrieben vorzustellen. Mittlerweile bin ich viel unterwegs und freue mich, wenn sich andere etwas bei mir abschauen. Insgesamt würde ich mir aber mehr Nachahmer wünschen.

Wie kam es, dass Sie diesen Weg eingeschlagen haben?

Als wir noch konventionell gearbeitet haben, gab es einmal einen Vergiftungsfall beim Ausbringen von Spritzmitteln. Damals habe ich mir gedacht: So will ich nicht arbeiten! 2010 haben wir dann angefangen umzustellen und 2015 wurden wir bio-zertifiziert.

Was bedeutet Bio für Sie?

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Wer auch immer der Vater einer Krankheit ist, ihre Mutter war eine schlechte Ernährung.“ Darum geht es für mich bei Bio. Egal ob Tiere, Lebensmittel oder Pflanzen – es kommt auf die Pflege und die Ernährung an. Bei meinen Pflanzen lege ich Wert auf torffreie Erde, natürlichen Dünger und selbstgemachte Pflegemittel.

Sie haben sich auf den Weg gemacht um Klimabündnis-Betrieb zu werden. In welchem Bereich möchten Sie sich noch verbessern?

Bis 2022 möchten wir in der Produktion plastikfrei sein. Wir produzieren im Jahr ca. eine Million Pflanzen, die wir in Töpfen verkaufen. Da bin ich immer auf der Suche nach guten Alternativen zu Plastik. Neben den Töpfen aus Sonnenblumenkernschalen, führen wir jetzt auch solche aus Holzfasern. Diese können einfach in die Erde eingepflanzt werden und verrotten viel schneller als beispielsweise Töpfe aus Maisstärke.

Als Gärtnerei habt ihr einen beachtlichen Stromverbrauch – Wie sieht es im Bereich Energie aus?

Es ist mir ein Anliegen von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas wegzukommen. Deshalb möchten wir bis 2023 schrittweise auf eine Wärmepumpe umstellen – die Kosten dafür sind allerdings schwer zu stemmen. Außerdem schaffen wir uns gerade ein E-Auto für Lieferungen an.

Und die eigene Energie um den Alltag zu meistern, woher nehmen Sie die?

Kraft schöpfe ich aus meiner Arbeit. Wenn Projekte gut laufen, Kunden positives Feedback geben oder ich mein Know-How weitergeben kann. Das treibt mich an. Und natürlich habe ich das Glück, eine tolle Familie zu haben, die mit mir an einem Strang zieht.

Haben Sie auch Vorbilder?

Ja! Ich habe das Glück demnächst bei hwg. Sr.Christa Weinrich im Kloster Fulda eingeladen zu sein. Sie ist für mich eine Ikone im Bio-Gartenbau und außerdem schwer erreichbar. Ich empfinde es als große Ehre mich mit ihr austauschen zu können.

Danke für das Gespräch!

Tipp: Die Bio-Gärtnerei Seidemann veranstaltet in diesem Jahr im September ein Klimawochenende mit spannenden Vorträgen und Kinderprogramm.

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