Jahr des Bodens 2015

Zum internationalen Jahr des Bodens 2015 setzt das Land Burgenland gemeinsam mit dem Klimabündnis einen Boden-Schwerpunkt.

im Bild: v.l.n.r.: Bürgermeister Martin Radatz, Landesrat Andreas Liegenfeld, Martina Nagl (Klimabündnis Österreich)

Durch Versiegelung und Zersiedelung verschwinden immer mehr Böden, die für die landwirtschaftliche Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen. „Um auch in Zukunft die Erzeugung heimischer Lebensmittel und damit die Versorgung mit regionalen Produkten abzusichern, sind vielfältige Maßnahmen notwendig. Als Agrarlandesrat ist es mir wichtig auf den derzeit hohen Bodenverbrauch aufmerksam zu machen und die Bevölkerung für die Problematik zu sensibilisieren“, erklärt Landesrat Andreas Liegenfeld.

Hoher Bodenverbrauch

Alleine im Burgenland gehen jeden Tag 2,2 Hektar Böden verloren - das entspricht der Größe mehrerer Fußballfelder. Durch Versiegelung und Zersiedelung verschwinden immer mehr Böden, die für die landwirtschaftliche Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen. „Der erhöhte Bodenverbrauch reduziert die CO2-Bindung im Boden, verringert die Artenvielfalt und auch die landwirtschaftliche Nutzfläche wird von Jahr zu Jahr weniger. Der Boden ist ein wichtiger Klimaschutzfaktor, der auch als Grundvoraussetzung für die Versorgung mit heimischen Lebensmittel geschützt werden muss“, so Liegenfeld. Beim Schutz spielen die Gemeinden eine zentrale Rolle, wie die Bereichsleiterin Bodenschutz des Klimabündnis Österreich, DI Martina Nagl, unterstreicht: "Die Handlungsfelder reichen von der Flächenwidmung über Siedlungserweiterungen, Hoch- und Tiefbau, Hochwasserschutz bis zu Entscheidungen, die auf die Landwirtschaft Auswirkungen haben."

Leithaprodersdorf als Vorzeige-Gemeinde

Ein Beispiel, wie Bodenschutz in der kommunalen Praxis funktioniert, ist die Klimabündnis-Gemeinde Leithaprodersdorf. Bürgermeister Mag. Martin Radatz präsentierte zwei Tage vor dem Weltbodentag am 5. Dezember die Aktivitäten seiner Gemeinde: "Eines unserer zentralen Projekte in diesem Bereich ist die Kommassierung. Ausgehend von den Bedürfnissen der Landwirtschaft haben wir Flächen zusammengelegt, Windschutzgürtel errichtet, Gräben und Bäche verbreitert und so optimale Bedingungen für die Bewirtschaftung dieser Böden geschaffen. Insgesamt konnten wir so den Naturraum vergrößern. Gemeinsam mit den acht in diesem Zuge errichteten Biotopen wurde die Artenvielfalt gesteigert und auch der Erholungswert der Landschaft für unsere BürgerInnen gesteigert. Erfolgreich ist auch unsere Initiative Ortskernbelebung. Heute gibt es im Ortskern von Leithaprodersdorf nur noch ganz wenige leerstehende Häuser."

Entwicklung der regionalen Landwirtschaft

Um die nationale Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen nicht zu gefährden, ist ein Umdenken und Umsteuern dringend erforderlich. Allein in den letzten 20 Jahren sind in Österreich 110.000 ha Ackerland verloren gegangen. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird ist bereits in 30 Jahren so viel wie die gesamte landwirtschaftliche Fläche des Burgenlandes verbaut.

Maßnahmen zum Bodenschutz

„Der erste Schritt ist die Bevölkerung für die Thematik zu sensibilisieren, was wir auch im Rahmen dieser Pressekonferenz gemeinsam mit dem Klimabündnis Österreich und der Gemeinde Leithaprodersdorf versuchen“, sagt Liegenfeld. Auch die österreichische Hagelversicherung setzt sich seit Jahren für den Schutz des Bodens ein. Liegenfeld unterstützt diese Maßnahmen: „Ein Zeichen, dass auch öffentlich wirksam gesetzt wird, ist der Bodenschutzpreis der heuer zum ersten Mal verliehen wurde und den ich persönlich unterstütze.“ Zweitens könnte bei künftigen Bauvorhaben der Bodenverbrauch stärker berücksichtigt werden. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung könnte der Standort auch auf seine natürliche Bodenfunktion überprüft werden. Ein dritter Schritt und zentraler Aspekt zum rücksichtsvollen Umgang mit der natürlichen Ressource Boden ist die Revitalisierung alter Wirtschaftsgebäude und Ortskerne. Der Bestand brachliegender Industrieflächen und Gewerbegebiete steigt jährlich. Ein wesentlicher Anteil des Bodenbedarfs könnte mit diesen Flächen gedeckt werden. Die Revitalisierung der Ortskerne ist eine klare Maßnahme gegen die Zersiedelung des Landes und wird bereits in einigen Ortschaften aktiv umgesetzt. Wichtig dabei ist die Innenentwicklung, also Umnutzung und Sanierung vorhandener Gebäude, denn innerörtliche Sanierungsprojekte sparen Baulandressourcen und Infrastrukturkosten. „Eine Wiederbelebung des Dorfkernes ist für die gesamte Bevölkerung von Vorteil“, urteilt Liegenfeld und weiter: „Wir müssen uns klar gegen die Verschwendung unserer natürlichen Ressourcen einsetzen und ich fordere daher einen bewussteren Umgang mit unseren Böden. Im Jahr des Bodens 2015 wollen wir verstärkt öffentlich auf die Problematik hinweisen.“
 

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