Gemüseanbau im Regenwald

Teil 8 der Wissensserie zur Partnerschaft der österreichischen Klimabündnis-Gemeinden mit der FOIRN, Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro.

Typisches Feld am Rio Negro: Bananenstauden und Maniokpflanzen. Foto: Emil Benesch / KBÖ

von Emil Benesch

Während bei uns gerade die Felder bestellt werden und in unseren Gärten vielerorts die Gemüsebeete vorbereitet werden … startet zeitgleich am Rio Negro die Pflanzsaison.

Genau dann, wenn im nordwestlichsten Eck Brasiliens traditionell für wenige Wochen die Niederschläge zurück gehen, können in einem kurzen Zeitfenster neue Felder angelegt werden. Dazu werden die schon vor Monaten unter Mithilfe der ganzen Familie und anderer Mitglieder der Dorfgemeinschaft geschlägerten und mittlerweile angetrockneten Bäume abgebrannt. Es sind die Männer des Dorfes, die so auf einer begrenzten Fläche mitten im Regenwald eine baumlose Lichtung anlegen.

Alles bio: Gemüse und Obst


Im durch die frische Asche gedüngten Boden beginnen dann die Frauen mit dem Anbau. Sie setzen bereits vorgezogene Chili-Pflanzen aus, pflanzen Maniok, Ananas und Bananenstauden. Und sie pflanzen Obstbäume. Wohlwissend, dass nach 2 Jahren Chili, Maniok und Ananas im größer werdenden Schatten der Bäume wieder langsam verschwinden werden – und das Feld wieder in einen an Obstbäumen reichen Wald übergehen wird.

Der Anbau hat eine hohe Vielfalt an Chilis und Maniok hervorgebracht, er erfolgt seit tausenden Jahren BIO, also ohne Pestizideinsatz und hat selbst die Artenvielfalt im Regenwald erhöht. Der brasilianische Staat trägt der Besonderheit dieses landwirtschaftlichen Systems am Rio Negro ganz offiziell Rechnung, per Deklaration als „Kulturelles Erbe Brasiliens“. 

Zwischen Jaguar und Klimawandel

Wenn die Frauen morgens zur Feldarbeit im Regenwald aufbrechen, achten sie darauf sich nicht alleine auf den Weg zu machen. Das Gehen in der Gruppe beugt Unfällen mit Jaguaren vor, die hier häufig sind. Eine Gefahr, gegen die sich weder Frauen noch Männer am Rio Negro selbst schützen können, ist der Klimawandel. Regnet es - wie 2012 passiert - zur falschen Zeit, können die gefällten Bäume nicht verbrannt und neue Felder nicht angelegt werden. Ein Mangel an Lebensmitteln in der ganzen Region ist die Folge. Dies wird im Rahmen der Ausstellung „Wir alle sind Zeugen, Menschen im Klimawandel“ thematisiert.

Die im Rahmen des EU Projektes „From Overconsumption to solidarity“ erstellte Ausstellung kann beim Klimabündnis ausgeliehen werden.

Info & Bestellung: emil.benesch@klimabuendnis.at 

Frisch vom Feld geerntete Ananas wird auf einem Bananenblatt angerichtet. Foto: Klimabündnis Österreich
Kleine Pflanze - große Früchte: Ananaspflanzen werden maximal ein Meter hoch. Foto: Klimabündnis Österreich
Beete werden im Regenwald angelegt. Foto: Adeilson/ISA
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