„We Come as Friends“

„We Come as Friends“ Dokumentation von Hubert Sauper - Nominiert für den Oscar 2016!

Film & Diskussion

„We Come as Friends“

Dokumentation | 2014 | F / A | 110 min

Montag, 25.Jänner 2016, 19:00 Uhr

KHG / Uni Klagenfurt, Nautilusweg 11, 9020 Klagenfurt

Es ist die schamlose Fortführung des Kolonialismus, die Hubert Sauper in seinem neuen Streifen “We Come As Friends” bloßlegt, an dem er sechs Jahre lang gearbeitet hat. Unterwegs ist der Regisseur nach seinem Welterfolg mit “Darwin’s Nightmare” diesmal in einem von ihm mitkonstruierten winzigen Flugzeug. Nominiert für den Oscar 2016!

Herr Sauper, warum haben Sie sich nach Tansania (“Darwin’s Nightmare”) ausgerechnet für den Südsudan als nächsten Schauplatz für einen Dokumentarfilm entschieden?

Hubert Sauper: Der Sudan hat eine besondere Stellung in der Kolonialgeschichte. Er war das erste Land überhaupt, das kolonisiert worden ist, weil der Sudan der Hinterhof Ägyptens war, das sich seinen Reichtum an Ressourcen und Manpower aus dem oberen Niltal – dem jetzigen Sudan – geholt hat. Danach sind über die Jahrtausende hinweg die Griechen eingefallen, dann die Ottomanen, die Briten, die Franzosen, auch die Nazis haben es probiert. Der Sudan hat durch diese Position eine starke antikolonialistische Geschichte. Die größte Katastrophe des heutigen Afrikas war die Zerteilung nach der Berliner Konferenz in circa 50 Nationen. An diesen künstlich gezogenen Grenzen sterben immer noch Millionen von Menschen. Dieses Verbrechen wurde 2011 mit der Abspaltung des Südsudans vor meinen Augen wiederholt. Das war wie ein Fenster in die Geschichte.

Sie inszenieren Ihre Ankunft in den Dörfern per Kleinflugzeug als Mischung aus Überrumpelung und Überraschung. Wie kam es zu diesem – auch sehr metaphorischen – Vorgehen?

Sauper: Wenn man so ein extrem großes und abstraktes Thema angeht, muss man es auf ein paar essenzielle Elemente reduzieren. Der Titel ist für mich schon an sich die Quintessenz dieser Begegnung. “Wir kommen als Freunde” – das ist die größte Lüge der Zivilisation. In dem Moment, wo es zum ersten Handschlag zwischen den sogenannten “Wilden” und den “zivilisierten Menschen” gekommen ist, ist das ganze Drama des jetzigen Afrika enthalten. Diese erste Begegnung, die von uns nun bewusst und auch notwendigerweise reproduziert wurde, findet sich ja auch in der Erzählweise von Science-Fiction-Filmen. Es ist eine Begegnung mit dem Anderen und eine Reise durch Zeit und Raum. So ist die Raumfahrt ja auch nur eine Fortführung der kolonialen Denkart. Nur fällt uns das gar nicht mehr auf, weil es Teil unserer Kultur ist. Auch wir kamen im Südsudan mit diesem “Raumschiff” aus dem Nichts.

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