KUPFER

Ausgelaugte Wüsten für erneuerbare Energien
Kupfer

Kupfer-Kabel und Co. für die „grüne“ Wende

Kupfer gilt als der Schlüsselrohstoff für die Energiewende: Es wird davon ausgegangen, dass der Bedarf an Kupfer für den Ausbau der Solarenergie bis 2050 auf 5,1 Millionen Tonnen ansteigen wird. Und auch für den Ausbau der Windenergie, des globalen Stromnetzes und der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität & Co. wird Kupfer als essenziell betrachtet. In Reinform wird es weiterverarbeitet zu Kabeln oder in Form von Legierungen zu Münzen, Schmuck, Besteck, Musikinstrumenten und vielem mehr. Die Batterie eines Elektroautos benötigt zur Herstellung etwa 3- bis 4-mal so viel Kupfer wie die eines herkömmlichen VerbrennerFahrzeugs. Die größten Produktionsstätten liegen heute in Chile, gefolgt von Peru und China.

Wasser aus der Wüste

Die weltweit größte Kupfermine lag bislang inmitten der Atacama-Wüste, in Chuquicamata im Norden Chiles und gehört dem chilenischen Staatskonzern Codelco. Heute hat die Escondida-Mine, ein Joint Venture von australischen, britischen und japanischen Konzernen, sie an Abbauvolumen überholt. Auch sie liegt in der Wüstenregion, die zu den trockensten Orten der Welt – hier regnet es sogar weniger als in der Sahara. Das bedeutet, dass Grundwasserquellen hier – wenn überhaupt – nur sehr langsam entstehen. Dennoch fließen alle Wasserreserven der Region in die Kupfergewinnung. Schätzungen zufolge werden im industriellen Kupfertagebau häufig mehrere 100.000 Tonnen Gestein pro Tag bewegt und dabei 100.000 Liter Wasser verbraucht. Die zermahlenen Kupfererze werden mit Wasser verrührt und können nach Zugabe von Tensiden abgeschöpft werden.

Kein Abbau ohne Umweltfolgen

Die beim Kupferabbau entstehenden Emissionen sowie die übermäßige Wasserentnahme beeinträchtigen die sensiblen Ökosysteme erheblich – mit gravierenden Folgen für die Biodiversität. Weltweit gelten bereits einige Feuchtgebiete
durch den Kupferabbau als zerstört und eine große Anzahl endemischer Arten als verschwunden.

Geisterstädte und Gesundheitsgefährdung

Wenn die Minen sich ausdehnen, werden die Anrainer:innen oft in sog. „Übergangssiedlungen“ untergebracht, in den nicht selten auch die Arbeiter:innen leben. Nach Abzug der Mine bleiben diese oft wie Geisterstädte zurück. Es sind Nicht-Orte, in denen die Menschen teilweise ohne Zugang zu sauberem Wasser, Abfallentsorgung oder Kläranlagen haben. Häufig ist das Trinkwasser vergiftet. Dies verkürzt die Lebenserwartung und hat schon zu Missbildungen bei Neugeborenen geführt. Direkte gesundheitliche Konsequenzen spüren vor allem die Minenarbeiter:innen: Gehörschäden und Staublungen sind häufige Folge. Mit Arsen und Schwermetallen belasteter Feinstaub in den Lungen schwächt außerdem die Atemwege.

Codelco verspricht „grünen“ Kupfer

Codelco ist unangefochtener Weltmarktführer – acht Prozent der globalen Kupferreserven gehören dem Konzern. Amerikanische Konzerne investieren seit Beginn des 20. Jahrhunderts in chilenisches Kupfer. Und auch Deutschland mischt mit: BMW will beim chilenischen Konzern Codelco ethisch und ökologisch sauberes Kupfer einkaufen. Immer wieder sucht die Branche nach „grünen“ Lösungen, um die Kupfergewinnung zukunftsfähig und nachhaltig zu machen. Bioleaching und Bioakkumulationsverfahren versprechen einen geringeren Energieaufwand und eine Gewinnung ohne Zugabe von Chemikalien. Doch mögliche negative Folgen sind bereits vorprogrammiert und so richtig umweltverträglich ist der Eingriff in die Natur wohl nie.

Kupfermine