Ziel des Arbeitspakets 2 ist es Maßnahmen zur Klimaanpassung zu stärken und in der Region zu verbreiten, welche ein besonderes Augenmerk auf den Wasserrückhalt in der Landschaft, den Hangwasserschutz, den Erosionsschutz und die Schadensminimierung von Gemeinden haben.
Zwei Round Tables – einer auf Landesebene, einer auf der regionalen Ebene im Mühlviertel – dienen dazu, zentrale Herausforderungen, Konflikte und Barrieren mit Expert:innen, Landnutzer:innen und Verwaltung sich gemeinsam anzuschauen und bewährte Lösungsansätze zu teilen und zu verbreiten.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Durchführung von zwei Fortbildungen für Landnutzer:innen sowie Mitarbeitende aus Verwaltung und Planung. Sie sollen in ihren Fähigkeiten gestärkt werden, die Thematik „Wasser in der Landschaft“ effektiv in Entscheidungen zu implementieren und geeignete Maßnahmen in ihren Arbeitsbereichen umzusetzen.
Am 12. November 2025 fand in Unterweitersdorf der regionale Round Table zum Thema „Wasser in der Landschaft – Fokus Hangwasserschutz“ statt. Vertreter:innen aus Gemeinden, Bezirksbauernkammer und Fachabteilungen des Landes diskutierten gemeinsam über Herausforderungen, Chancen und notwendige Schritte für einen wirksamen Schutz vor Hangwasser auf lokaler Ebene.
Zentrale Erkenntnisse für Gemeinden
A) Rolle der Gemeinden in Planung & Bauverfahren
Gemeinden benötigen weiterhin klare Informationen zu Starkregen- und Hangwasserereignissen – insbesondere für Bauamts-Mitarbeiter:innen und für die Beurteilung von Bauverfahren.
Die Landes-Richtlinie zur Ableitung von Oberflächenwasser ist ein zentrales Informationsmittel für mögliche Auflagen im Baubescheid
Die Hangwasserhinweis-Karte der Abteilung Wasserwirtschaft ist ein zentrales Instrument für präventive Raumplanung. Gemeinden sollten sie in Widmungsverfahren und zur Standortsicherung von Freiräumen einsetzen.
Flächenwidmungs- und Bebauungspläne sind maßgebliche Steuerungsinstrumente – verantwortet vom Gemeinderat und dem/der Bürgermeister:in.
B) Bedeutung grün-blauer Infrastruktur
Technische Maßnahmen wie Retentionsbecken oder Verrohrungen allein reichen nicht aus – sie können durch Erosion (Stroh, Sedimente) überlastet werden.
Daher werden ergänzend grün-blaue Maßnahmen benötigt: begrünte Abflusswege, Schlammfänge, Vegetationsstrukturen zur Retention.
C) Kommunikation mit Landwirt:innen als Schlüsselfaktor
Ein klarer Konsens: Ohne gute Kommunikation zwischen Gemeinde und Landwirtschaft scheitern kooperative Lösungen.
Die Boden.Wasser.Schutz.Beratung kann Gemeinden und Landwirt:innen gemeinsam unterstützen – sofern sie frühzeitig eingebunden wird. Eine Beratung kann nur erfolgen, wenn die Ortsbauernschaft eine Beratung anfrägt.
2. Erkenntnisse aus der Landwirtschaft & regionalen Praxis
A) Unterstützung durch Bezirksbauernkammer Freistadt-Perg
Gemeinden können die BBK für fachliche Bewertungen bei Hangwasserproblemen einbinden.
Die BBK sucht gemeinsam mit Betrieben nach wirtschaftlich verträglichen Lösungen mit Retentionsflächen, Schlammfängen oder angepassten Bewirtschaftungsweisen. Eine Beratung kann auch durch die Gemeinden angefragt werden.
B) Akzeptanz & Selbstbestimmung
Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen werden als Eingriff in die Bewirtschaftungsfreiheit wahrgenommen.
Akzeptanz steigt durch:
C) Flächenverfügbarkeit & Förderlogik
Flächenbereitstellung bleibt ein Engpass.
Komplexe Förderbedingungen (z. B. keine ÖPUL-Förderung für behördlich vorgeschriebene Ausgleichsflächen) erschweren die Umsetzung von Maßnahmen.
Fazit
Die Fachtagung in Unterweitersdorf hat klar gezeigt:
Der Umgang mit der Ressource Wasser gelingt nur, wenn Gemeinden und Landwirtschaft gemeinsam handeln – mit kooperativer Kommunikation und abgestimmter Raumplanung.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung des Arbeitspakets und in die Fortbildungsprogramme für 2026 ein.
Der erste Round Table des Interreg-Projekts „DeKLARed AdaptRegions“ brachte zahlreiche Erkenntnisse und Herausforderungen ans Licht, die für die zukünftige Zusammenarbeit und Ausrichtung des Projekts entscheidend sind:
Ressourcen und Finanzierung (Landes- und Policyebene):
Potenzial der Hangwasserhinweiskarte: Die Hangwasserhinweiskarte der Abteilung Wasserwirtschaft bietet wertvolle Daten zur Abflussdynamik von Oberflächenwasser in Hanglagen und kann bei der präventiven Raumplanung eingesetzt werden, um gefährdete Gebiete frühzeitig zu identifizieren. Durch die Integration der Karte in kommunale und regionale Planungsprozesse lassen sich Abflusswege schützen und kritische Flächen für Wasserrückhalt gezielt auswählen. Gemeinden und Planungsbüros sollen die Karte als Entscheidungshilfe nutzen, um Bauvorhaben, Grünflächen und Hangwasserschutzmaßnahmen (Überschwemmungen durch Oberflächenwasser) optimal zu platzieren, wodurch sowohl ökologische als auch infrastrukturelle Schäden durch Starkregenereignisse minimiert werden können. Die Karte stellt damit ein wichtiges Instrument zur Risikominimierung und zur Förderung einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung dar.
Herausforderung Förderanträge/digitale Förderplattform der AMA: Die Antragstellung und Abwicklung von Fördermitteln, besonders im digitalen Umfeld, erfordert entsprechendes Know-How und Kapazitäten bei den Antragsteller:innen und den abwickelnden Behörden. In der Diskussion wurde einhellig bekundet, dass es sowohl für die Landwirt:innen, als auch für Institutionen (z.B. Land OÖ) erhebliche Probleme mit der Digitalen Förderplattform der AMA gibt. Es wurde eine klare Vereinfachung der Abwicklung und Verbesserung der Korrekturmöglichkeit bei irrtümlichen Eingabefehlern sowie eine erhebliche Reduktion von allfälligen Sanktionen gefordert.
Funktionalität der digitalen Förderplattform: Eine funktionale und zugängliche digitale Förderdatenbank für Antragsteller:innen könnte das Antragsverfahren erleichtern und die Effizienz in der Abwicklung steigern.
Finanzierungshürden: Ein Problem sind begrenzte Fördermittel, was die Planung und Durchführung von Projekten verlangsamen und teilweise blockieren könnte.
Ressourcenbedarf: Manche Arbeitsgruppen identifizierten einen Mangel an Ressourcen, sowohl personell als auch finanziell, um die Maßnahmen effektiv umsetzen und begleiten zu können.
Landwirtschaft und regionale Ebene:
Ausgangssituation: Maßnahmen welche auf landwirtschaftlichen Flächen stattfinden, wie die Anlage von Grünstreifen bzw. die Umsetzung von begrünten Abflusswegen, stoßen aktuell bei einigen Landwirt:innen noch auf Widerstand, da sie als Einschränkungen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung wahrgenommen werden. Besseres Verständnis für die Notwendigkeit dieser Maßnahmen könnte helfen, die Akzeptanz zu erhöhen.
Ein weiteres Hindernis stellt die Verfügbarkeit von Flächen dar. Um Maßnahmen umzusetzen, ist oft die Zustimmung von privaten Grundeigentümer:innen erforderlich, was langwierige Verhandlungen mit sich bringen kann. Dies sind oft langwierige Prozesse, weil der Personenkreis meist noch größer wird, als für die konkrete Maßnahme notwendig wäre (z.B. Tauschpartner:innen außerhalb des Projektgebiets; Pächter:innen).
Wahrnehmung der Landwirt:innen: Landwirt:innen könnten sich durch Vorgaben bei Projektumsetzungen in ihren Selbstbestimmungsrechten eingeschränkt fühlen. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung bei Maßnahmen, welche auf privaten Flächen umgesetzt werden, fordert eine höhere Beteiligung von Landwirt:innen in der Ausgestaltung und Umsetzung von Maßnahmen.
Bewusstseinsbildung und Aufklärung: Ein wesentlicher Punkt ist die Notwendigkeit, das Bewusstsein bei Grundbesitzer:innen und Bewirtschafter:innen (Pächter:innen) für die Notwendigkeit zur Prävention zu stärken. Maßnahmen werden oft erst nach Schadensfällen akzeptiert.
Förderung lokaler Netzwerke: Die Ergebnisse des Round Tables verdeutlichen, dass eine stärkere Vernetzung mit lokalen Interessengruppen (z.Bsp.: Ortsbauernschaften) notwendig ist, um die Maßnahmen auf breitere Akzeptanz stoßen zu lassen. Lokale Interessenvertretungen spielen eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Umsetzung von Projekten. Eine unterstützende lokal-initiierte Öffentlichkeitsarbeit über die positiven Effekte der Maßnahmen könnte helfen, die Akzeptanz zu steigern.
Weitere Erkenntnisse:
Notwendigkeit eines „One-Stop-Shop“: Eine zentrale Anlaufstelle wie die Abteilung Ländliche Neuordnung, die in der Lage ist, verschiedene Kompetenzen und Zuständigkeiten zu bündeln, wurde als wertvolles Instrument angesehen, um Maßnahmen effizient umzusetzen.
Langfristige Pflege und Verantwortlichkeit: Ein kritischer Punkt ist die Frage der finanziellen Abgeltung von langfristigen Pflegearbeiten und der Instandhaltung von Flächen, die für Anpassungsmaßnahmen genutzt werden. Landwirtschaftliche Flächen, welche mittels behördlich vorgeschriebener Maßnahmen (z.B. die in Flurneuordnungsverfahren angeordneten Ausgleichsflächen) als ökologische Ausgleichsflächen ausgewiesen sind, können nicht durch eine ÖPUL-Förderung abgegolten werden (“unzulässige Leistungsüberschneidung” gemäß Punkt 1.6.2.3. der Sonderrichtlinie ÖPUL 2023). Dies hindert Landwirt:innen Maßnahmen umzusetzen, da ihr Mehraufwand an Arbeit über die gängige Förderschiene nicht abgegolten werden kann.
Interessenskonflikte bei der Flächennutzung: Unterschiedliche Interessenslagen verschiedener Gruppierungen (politischer und gesellschaftlicher Wille) in Bezug auf Energieproduktion, Naturschutz, Landwirtschaft und kommunale Infrastruktur sorgen häufig für Konflikte, die die Projektentwicklung verlangsamen oder stoppen können.
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