Was bleibt von einem Bühnenbild, einer Ausstellung oder einem Festival, wenn das Publikum gegangen ist? Mit dieser Frage eröffnete Andreas Van-Hametner, Leiter des Ressourcen Forum Austria, am 13. Oktober 2026 den dritten WEITBLICK Stammtisch Plus im Museum der Moderne Salzburg. Rund zwei Stunden lang tauschten sich Kulturakteur:innen aus Stadt und Land Salzburg, Vereine und alle Interessierten darüber aus, wie Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling im Kulturbetrieb gelingen können. Der Abend bewies einmal mehr, was das WEITBLICK-Netzwerk ausmacht: Gemeinsam geht mehr.
Sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen sind laut aktueller Forschung bereits überschritten, der weltweite Material-Fußabdruck hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht. Österreich liegt mit 33 Tonnen Materialverbrauch pro Kopf und Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt von 23 Tonnen – und nur rund 12 Prozent der eingesetzten Materialien bleiben laut Eurostat im Kreislauf. Zugleich sind viele Produktionsprozesse noch immer linear aufgebaut: Material wird gefördert, verarbeitet, genutzt, entsorgt.
Schlummernde Ressourcen
Ein wesentlicher Teil des Potenzials steckt dabei nicht im Abfall, sondern in den Beständen: in verbautem Material, in Fundi (Material- und Kostümlager), Lagern und Inventaren, die oft über Jahre ungenutzt bleiben. Das Ziel: leichtere und ressourcenschonendere Materialien einsetzen, Produkte und Ausstattungen möglichst lange nutzen und Materialien am Ende ihrer Nutzung im Kreis führen. Kreislaufwirtschaft sei dabei, so Van-Hametner, kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für die Ressourcenwende – und vor allem eine gesellschaftliche Transformation und soziale Innovation, die alle mitnimmt: Produzent:innen, Konsument:innen, Politik – die ganze Gesellschaft.
Der Kultursektor übernimmt dabei drei Rollen: Als Anwenderin hält sie Materialien und Ressourcen im eigenen Betrieb im Kreislauf. Als Ermöglicherin erprobt sie neue Gestaltungsweisen und zirkuläre Lösungen. Und als Multiplikatorin macht sie Zukunftsbilder sichtbar, stößt Diskussionen an und treibt den gesellschaftlichen Wandel voran. Genau hier setzten auch die Diskussionen des Abends an: Es braucht ein gesellschaftliches Umdenken – und Kunst und Kultur können und sollen dabei als Transformationsbeschleuniger wirken.
Gelebte Praxis: Graz, Linz, Wien
Dass das keine Theorie ist, zeigten die Good-Practice-Beispiele aus anderen Bundesländern: circulART Graz organisiert mit seiner Materialhalle Materialkreisläufe gemeinsam – Bühnenbilder, Ausstellungselemente und Ausstattungen werden dort gelagert, vermittelt und erneut eingesetzt. Das Landestheater Linz plant Bühnenbilder modular und wiederverwendbar und nutzt das Theatre Green Book als Leitlinie. Das Burgtheater Wien bezog für seine Neuproduktionen in der Saison 2024/25 bereits 65 Prozent der Kostüme aus dem Fundus oder gebraucht. Diese Initiativen für modularen Bühnenbau zeigen: Es gibt schon gelebte Praxis, von der Salzburg lernen kann.
Im Anschluss an den Impuls wurde es richtig lebendig: Wie gehen Häuser mit ihren Fundus-Beständen um? Wo ist Modularität eine Chance für Wiederverwendung und wo stößt sie an künstlerische Grenzen? Was braucht es, damit Bühnenbilder, Ausstattungen und Materialien überhaupt weitergegeben werden können? Diskutiert wurden die Voraussetzungen der Weitergabe: rechtliche Grundlagen, Brandschutz und Haftung, aber auch die Frage, ob und wie Förderungen Wiederverwendung, Lagerinfrastruktur und gemeinsame Depots abbilden können. Daneben standen die bekannten Hürden zur Debatte: fehlende Lagerflächen, enge Produktionszyklen und unbekannte Bestände. Gesammelt wurden die Ideen und Anliegen der Anwesenden in einer gemeinsamen Themensammlung, aus der viele konkrete Ansätze für die nächste Produktion mitgenommen werden konnten.
Material Initiative Salzburg und weitere Projekte
Selbst vorstellen durfte sich die Material Initiative Salzburg – mit ganz konkreten Fragen im Gepäck: Wie kann Wiederverwendung gefördert werden? Wo findet die Initiative Raum für Lager und Sammlungen? Eine Übersicht über bestehende Initiativen findet sich hier: Material Initiativen.
Weiters wurden auch Projekte, wie Salzkreisl der Stadt Salzburg (aktuell in der Konzeptionsphase) und Kulturatlas Bayern angesprochen, welche sich ebenfalls mit Vernetzung und Informationsaustausch beschäftigen.
Der Abend hat gezeigt, wie viel entsteht, wenn sich Kulturinstitutionen, Initiativen, Expert:innen und Engagierte an einen Tisch setzen: spannende Diskussionen, konkrete Ideen und neue Kontakte über Institutionen und Sparten hinweg. Genau dieser Vernetzungscharakter macht WEITBLICK aus, das Netzwerk, das Kultur-, Bildungs- und Wissensinstitutionen in ganz Salzburg verbindet.
Unser Dank gilt Andreas Van-Hametner und dem Ressourcen Forum Austria für den starken Input, dem Museum der Moderne für die Gastfreundschaft sowie allen Teilnehmenden für ihre Offenheit und die vielen Denkanstöße.
Mitmachen: WEITBLICK-Arbeitsgruppe Kreislaufwirtschaft
Aus dem Abend ist deutlich geworden: Das Thema trägt. Im Rahmen von WEITBLICK könnte sich daher eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema Kreislaufwirtschaft in Kunst und Kultur bilden – wer Interesse hat, mitzumachen, kann sich jederzeit gerne bei uns melden, zum Beispiel per Mail an martin.signitzer@klimabuendnis.at.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen