Klimafitter Bergwald in Wildermieming

Gemeinsam mit dem Gemeinde-Waldaufseher von Wildermieming und der Landesforstdirektion Tirol wird der Nutzen eines klimafitten Bergwalds und des Aufforstungsmodells beleuchtet. Weiter soll eruiert werden, wie der klimafitte Bergwald strategisch gefördert werden kann.

Ausgangsposition

Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel setzt den Bergwald unter Druck. Steigende Temperaturen, besonders unterhalb von 1.000 Metern und an sonnigen Hängen mit wenig Bodenbedeckung führen zunehmend zu Trockenstress bei flachwurzelnden Baumarten und machen sie anfälliger für Schädlinge.

Reinbestände aus Kiefer und Fichte zeigen zudem wenig Resilienz gegenüber Extremwetterereignisse. Die Extremwetterereignisse in den Osttiroler Schutzwäldern 2018, 2019 & 2020 mit 1,5 Millionen m³ Schadholz sind ein Beispiel für dynamische Schadensentwicklungen. Der Umbau zu klimafitten Mischwäldern ist notwendig, um die Resilienz zu stärken und Schutzfunktionen zu erhalten.

Rahmenbedingungen müssen positiv gestaltet werden

In vielen Schutzwaldgebieten ist der Waldumbau zu einem klimafitten Wald aufgrund der extremen Bedingungen sehr teuer und die Holzerträge decken die Kosten nicht. Eine ungünstige fragmentierte Eigentümerstruktur und hoher Wilddruck verlangsamen den Aufforstungsprozess. Der Umbau zu klimafitten Wäldern ist daher vor allem eine öffentliche Aufgabe, die durch Förderprojekte finanziert wird.

 

 

 

 

Klimafitter Bergwald als eine naturbasierte Lösung vor Naturgefahren, Fallbeispiel  Gemeinde Wildermieming

Im Jahr 2005 kam es nach starken Regenfällen zu zahlreichen Murenabgängen und Überschwemmungen in Tirol. Ausgelöst durch die außergewöhnlich starken Regenfälle kam es in Wildermieming zu einem Murenabgang, der von zwei Runsen gespeist wurde und auf das Plateau niederging. Es kam zu Schäden an der Infrastruktur und an Gebäuden. Der Schutzwald jedoch verhinderte noch größere Schäden. Es war jedoch auch klar, dass der Wald für die Zukunft stabiler und fitter gemacht werden muss. Im Jahr 2011 verpflichtete sich der Gemeinderat in enger Zusammenarbeit mit Interessensvertreter:innen und Bürger:innen zur Schutzwaldpartnergemeinde zu werden. Hauptziel war es, den Schutzwald durch ein nachhaltiges Waldwirtschaftskonzept, klimafit zu machen.

Naturbasierte LösungJungwaldpflege und Durchforstung des Schutzwaldes in Gemeinde Wildermieming

Unter dem Motto „Nachhaltig nützen und langfristig schützen“ wurden vor zwei Jahrzehnten in der Gemeinde Wildermieming Maßnahmen zur bodenschonenden Verjüngung der Kiefernwälder erarbeitet. Statt Kahlschlägen setzt man auf kleinräumige Pflege und Aufforstung mit fehlender Baumarten und Sträuchern, um einen stabilen Mischwald und klimafitten Bergwald zu schaffen. Nachhaltige Waldbewirtschaftung in Wildermieming setzt auf Mischwaldinseln, die Raum für natürliche Entwicklung lassen. Wichtig sind Jungwaldpflege, Humusaufbau und Mikroklima. Biomasse bleibt am Waldboden, fördert Humusbildung und Artenvielfalt. Die Baumarten werden nach der Tiroler Waldtypenkarte ausgewählt, und die Inseln müssen zum Schutz vor Wildverbiss eingezäunt werden.

 

Die „Verjüngungsdynamik Tirol“ stellt die aktuelle Jungwaldentwicklung sowie den Wild- und Weideeinfluss in Tirol kartographisch dar. Systematische Erhebungen werden einheitlich ausgewertet. Es wird aufgezeigt, ob sich der Wald und insbesondere der Schutzwald entwickeln kann oder ob Handlungsbedarf besteht.

Mit der „Waldtypenkarte Tirol steht den Waldbesitzern und Waldbesitzerinnen ein hervorragendes Werkzeug für die richtige Baumartenwahl und maßgeschneiderte Waldbehandlung zur Verfügung

 

Vielfältige Vorteile von Naturbasierten Lösungen

Der Waldboden bildet die Grundlage für ein funktionierendes Waldökosystem

Der Waldboden hat ein besondere Rolle für das Funktionieren eines klimafitten Bergwaldes. Er ermöglicht forstwirtschaftliche Nutzung, speichert Wasser, reguliert den Abfluss und trägt zur Klimaregulierung bei. Zudem filtert und reinigt er das Wasser, unterstützt den Nährstoffkreislauf und die Biodiversität. Auf lokaler Ebene beeinflussen Waldboden und Vegetation Lufttemperatur und -feuchtigkeit durch Verdunstung, was im Klimawandel immer wichtiger wird. Global speichert der Boden Kohlenstoff, oft mehr als Atmosphäre und Landvegetation zusammen.  

 

 

 

 

 

Anpflanzung der Bäume im Kreis in 1 m Abstand: 30 bis 55 Bäume pro Insel (60 und 120 cm hoch)

Geschäftsmodell: Klimafitter Bergwald Tirol

Das vom Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Forstplanung im Jahr 2019 initiierte Programm „Klimafitter Bergwald Tirol“ fokussiert sich auf Bewusstseinsbildung und Weiterbildung von Waldbesitzer:innen und Waldaufseher:innen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Neben Bewusstseinsbildung und Kompetenzerwerb ist es möglich, eine Patenschaft für eine Klimafitte Mischwaldinsel zu übernehmen.

In der Umsetzung des Programms spielt die nachhaltige Waldbewirtschaftung mit ihren inselartigen Aufforstungen eine zentrale Rolle. Sie bietet die Möglichkeit, Bauminseln nach dem Prinzip der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu unterstützen.

Kooperationspartner und Projekt Eigentümer in Tirol

 

Land Tirol, Abteilung Forstplanung

Gemeinde Wildermieming